Kulinarik und Natur im westirischen Küstenort Dingle

Dingle Küste

Die Küste vor Dingle

Vielleicht liegt es ja an der frischen Seeluft, dass die Menschen in Dingle eine besondere Neigung zu frischen und gesunden Lebensmitteln haben – jedenfalls viele von ihnen. Auf dem täglichen kleinen Markt des 2500 Einwohner zählenden Küstenorts am äußersten süd-westlichen Zipfel von Irlands Küste jedenfalls kann man täglich frisches Biogemüse kaufen, hervorragenden Käse von Kuh, Schaf oder Ziege und Bio-Wurst. Ein paar Schritte weiter am Hafen gibt es fangfrischen Fisch. Frischer geht es nicht. So wundert es nicht, dass es in Dingle nicht nur einige ausgezeichnete Restaurants gibt, sondern sogar eine Kochschule. Mark Murphy, der sie betreibt, stammt aus Dublin und hat dort und in der Schweiz in erstklassigen Restaurants als Koch gearbeitet hat, bevor er sich in Dingle niederließ und hier eine Cookery School gründete.

Mark in Kochschule2

Mark Murphy in seiner Kochschule

Doch bevor wir nach Marks Anweisungen die Kochlöffel schwingen, begleiten wir ihn erst einmal zum Einkaufen auf den Markt und zum Hafen. Denn natürlich kommt es beim Kochen zuerst und vor allem auf die Qualität der Zutaten an. Mark entscheidet sich für neue Kartoffeln –  die gibt es in Irland auch schon im Juni – bunten Mangold, verschiedene frische Blattsalate, Lauch, Käse und Wurst.

Fischer3

Fischer mit dem catch of the day

Im Hafen wird heute als catch oft the day Pollock angeboten. So heißt hier eine besondere Art von Kabeljau – ein ganz hervorragender Fisch. Der Fischer hat ihn schon ausgenommen, und Mark zeigt uns in seinem Studio, das praktischerweise nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt ist, als erstes, wie man den gar nicht kleinen Fisch ordnungsgemäß filetiert und entgrätet.

An das große, dünne Messer muss man sich erstmal ran trauen, an das große dicke für das Gemüse ebenfalls… Doch der korrekte Umgang mit dem „Werkzeug“ ist erfreulicherweise auch Teil des Kurses, und so verliert man nicht nur die Scheu davor, sondern schwingt die Gerätschaften nach ein bisschen Übung schon ganz passabel übers Brett: Spitze nach unten aufs Brett, den Griff wie einen Tennisschläger umklammert, mit nach innen gekrümmten Fingern der anderen Hand die Zwiebel festgehalten und los geht’s. Es empfiehlt sich trotzdem, erstmal keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen zu wollen.

Die Zwiebeln kommen in den bunten Salat vom Markt, zum Fisch gibt es außerdem mashed potatoes mit Lauch sowie Brokkoli und Blumenkohl aus dem Ofen mit Öl übergossen und leicht gewürzt mit Salz und Pfeffer. Auch beim Fisch wird nicht viel getrickst, zumindest nicht in unserem Halbtageskurs… Den gesalzenen Fisch auf der Haut in ein wenig Öl angebraten, später noch Pfeffer dazu – fertig.

Teller Kochschule

Das Ergebnis des Kochkurses kann sich sehen lassen und schmeckt auch

Es ist eher ein Grundkurs, den wir besuchen, aber es ist kein Fehler, erstmal mit den Grundlagen anzufangen und sich dann weiter zu perfektionieren. Immerhin beinhaltet der Kurs auch Brotbacken und einen Pudding genannten Kuchen als Dessert. Und das alles inclusive Einkaufen in nicht mal 3 Stunden! Mark bietet Kurse in unterschiedlichen Längen und Intensitäten an.

Aber auch ohne Kochkurs kann man in und um Dingle kulinarische Entdeckungen machen, zum Beispiel im Global Village Restaurant, dessen Fenster mit Michelin-Empfehlungen regelrecht zugeklebt sind. Jeder Gang des Fünf-Gänge-Menüs mit Vorspeise, Süppchen, Fisch, Lamm und Dessert war außergewöhnlich delikat: beste Zutaten mit Hingabe, Fantasie und Sachverstand zubereitet. Eine unbedingte Empfehlung! Nur sollte man vielleicht schon von zu Hause aus reservieren, denn das kleine Lokal ist – wen wundert’s – fast immer ausgebucht.

Dingle Häuser1

Die Hauptstraße von Dingle mit ihren zahlreichen Pubs und Restaurants

Trotz der Exquisität von Martin Bealins Küche sind seine Kreationen nicht abgehoben, sondern vermitteln immer eine gewisse Erdung, was auch zu Dingle passt. Denn das Dörfchen mit seinen lustigen rot, grün, gelb oder violett gestrichenen Häuserchen und seinen fröhlichen und zugänglichen Einwohnern ist alles andere als ein hot-spot-Touristenort – auch wenn hier im Sommer durchaus zahlreiche (Tages-)Touristen anzutreffen sind. Einige von ihnen kommen wegen eines mittlerweile recht berühmten Bewohners des Hafenbeckens namens Fungie. Fungie ist ein Delphin, der seit über 30 Jahren Zeit im großen natürlichen Hafen von Dingle lebt und sich auch durchaus gerne den nach ihm ausschwärmenden Touristenbooten zeigt. 2013 wurde Fungie zum 30-jährigen Jubiläum seines ersten Auftauchens die Ehrenbürgerwürde Dingles verliehen.

Wer das Glück hat, eine solche Bootstour mit Michael Doolew zu machen, der erfährt nebenbei auch noch so gut wie alles über die Geschichte dieser Gegend. Dass sogar die Habsburger hier mal zugange waren und wann hier ein Schiff der spanischen Armada versenkt wurde und, und, und. Obgleich Doolew wie ein Fischer aus dem Bilderbuch aussieht, ist er gelernter Banker. Die Bank aber hat er hinter sich gelassen, um hier in Dingle Bay als Geschichte(n)erzähler auf dem Meer zu arbeiten…

fungie

Der Ehrenbürger von Dingle zeigt sich seinen Fans

Die eigentliche Attraktion der Gegend aber ist weniger Dingle als vielmehr die umliegende Küstenlandschaft mit ihren wilden Buchten und gebirgigen, sattgrünen Anhöhen. Hier kann man am sogenannten Wild-Atlantik-Way entlangfahren und nach beinahe jeder Biegung eine noch schönere Aussicht genießen. Und natürlich lassen sich auch wunderbare Wanderungen an der Küste unternehmen. Fast überall könnte man einen Werbefilm für irische Butter drehen. Oder „Ryan’s Daughter“, der hier tatsächlich entstanden ist. So wildromantisch und naturbelassen die Gegend mit dem Namen Blasket ist, so ärmlich war das Leben der Menschen hier noch vor nicht allzu langer Zeit.

Es gehört zu den staunenswerten Besonderheiten der Iren, dass sie ihrer Armut nicht nur durch Auswanderung sondern auch durch Literatur zu entkommen suchten. In den 30er und 40er Jahren entstanden hier, wo nur ein paar hundert Menschen lebten, nicht weniger als 40 Romane! Ein weiterer Beleg für die besondere Leidenschaft der Iren fürs Schreiben. Immerhin stammen bislang vier Nobelpreisträger für Literatur von der Insel – Oscar Wilde und James Joyce zählen übrigens nicht dazu…
Ein nagelneues, schön in die Landschaft eingebundenes Museum, das Blasket Island Centre, dokumentiert den Alltag der Menschen in früheren Zeiten und porträtiert die von hier stammenden Schriftsteller.

Wanderweg

Wanderweg in Blasket

In der Nähe der „Ryan’s Daughter“-Kulisse liegt auch O’Gorman’s Clifftop Restaurant mit angeschlossenem kleinen Hotel. Sile Gorman bewirtet hier ihre Gäste vor einem grandiosen Meeres-Panorama mit hervorragender überwiegend biologischer Küche. Vor kurzem wurde die sympathische Wirtin als „Host oft he Year“ ausgezeichnet. Womit wir wieder bei der Kulinarik wären, zu der es noch viel zu sagen gäbe. Zum Beispiel, dass hier das Crean Beer in der Dingle Brewing Company gebraut wird, das so frisch und würzig schmeckt, wie die Landschaft drumherum aussieht oder dass es hier ein wunderbares handgemachtes Eis von Murphy’s gibt, das aus ausgesuchten Zutaten der Umgebung hergestellt wird. Don’t miss, but don’t mix! Bier und Eis gut auseinander halten, und die Schaukelfahrt auf dem Atlantik auf der Suche nach Fungie vielleicht auch besser vor der Brauereibesichtigung unternehmen…

Brewing Company

Dingles Bierbrauerei – von hier kommt das vorzügliche Crean Beer

Autor: Robert Jungwirth

Reiseinfos:

www.ireland.com/de-de/reiseziele/republic-of-ireland/kerry/dingle/

Anreise per Flugzeug nach Dublin z.B. mit Air Lingus von vielen deutschen Flughäfen aus, dann weiter mit dem Bus oder vom Flughafen Dublin per Flugzeug weiter zum Regionalflughafen Kerry.

Empfehlenswertes Hotel in Dingle: Dingle Benners Hotel. Gemütliches und stilvolles alt-irisches Hotel mit hohem Standard und full irish breakfast! Man kann sich aber auch z.B. einen Fisch zum Frühstück braten lassen.
www.dinglebenners.com

Empfehlenswerte Restaurants in und um Dingle:

Global Village Restaurant: www.globalvillagedingle.com

Ashes Bar & Restaurant: www.ashesbar.ie

O’Gorman’s Clifftop Restaurant: www.gormans-clifftophouse.com/our-restaurant.html

Online-Reisejournal 2015