Mit Lucas Cranach durch Thüringen

Ausstellungen in Weimar, Gotha und Eisenach feiern den 500. Geburtstag des Künstlers

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Lucas Cranach: Martin Luther, 1520 Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die Augen sind zielstrebig geradeaus gerichtet, das Kinn leicht angehoben. In den Gesichtszügen spiegeln sich Gedankenklarheit und Entschlossenheit. 1520 hat Lucas Cranach d.Ä. dieses erste Porträt des Augustinermönchs Martin Luther angefertigt, ein Kupferstich. Zahlreiche weitere sollten bis zu Luthers Tod 1546 folgen. Das letzte Bild zeigt Luther auf dem Sterbebett. Bis heute ist unsere Vorstellung von Martin Luther geprägt von den Bildnissen Lucas Cranachs des Älteren und seines Sohnes Lucas Cranach des Jüngeren – und in noch viel stärkerem Maße war das zu Lebzeiten Luthers der Fall.
Die Freundschaft zwischen dem Maler Lucas Cranach d. Ä. und dem revolutionären Kirchenmann, die sich während beide in Wittenberg lebten entwickelt hatte, brachte es mit sich, dass so gut wie keine anderen Luther-Bilder existierten, außer denen aus der Werkstatt Lucas Cranachs.

Gemaelde, Submaster

Lucas Cranach: Martin Luther, 1529 Foto: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Die meisten Luther-Bilder oder -stiche indes existierten nicht nur einmal, sie wurden in Serie produziert und vertrieben. Lucas Cranach d.Ä und sein Sohn waren nicht nur herausragende Maler, sie waren auch hervorragende Geschäftsleute. So hatten die Cranachs sozusagen das Monopol, den Reformator zu porträtieren und der Welt das Gesicht zur Reformation zu liefern. Wobei man davon ausgehen darf, dass Luther sicher auch Wünsche äußern konnte, wie er dargestellt werden wollte.

Doch die Cranachs beschränkten sich nicht auf Luther-Porträts allein. Sie illustrierten auch die Schriften des Reformators – auch die Polemiken gegen das Papsttum mit durchaus karikaturistischer Schärfe, wie zum Beispiel in dem Buch „Wider das Bapstum zu Rom vom Teuffel gestifft“ von 1545. So ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass am Erfolg der Reformation in Deutschland auch die Lutherbildnisse und Illustrationen aus der Werkstatt Lucas Cranach ihren Anteil hatten. Die Cranach-Werkstatt war eine Art Propaganda-Abteilung der Reformation in Deutschland. Wenn in diesem Jahr des 500. Geburtstags von Lucas Cranach d. J. in zahlreichen Ausstellungen gedacht wird (und dabei natürlich auch die Werke des Vaters mit einbezogen werden), so ist das gewissermaßen als Vorstufe für die Gedenkveranstaltungen zum 500. Geburtstag Martin Luthers im Jahr 2017 zu sehen.

Drei Ausstellungen in Weimar, Gotha und Eisenach dokumentieren die enge Beziehung zwischen Vater und Sohn Cranach und Luther. So vor allem die Ausstellungen im Schillerhaus in Weimar und die Ausstellung auf der Wartburg, wo Luther 1521-22 getarnt als „Junker Jörg“ die Bibel übersetzte.

Wartburg abends

Die Wartburg in Eisenach Foto: Wartburg-Stiftung

Andere wichtige Themenbereiche, wie etwa die Bilder zu biblischen Geschichten wie Judith und Holofernes oder antiken Stoffen, wie Venus und Cupido oder das Paris-Urteil, sind in der Cranach-Ausstellung im Herzoglichen Museum von Schloss Friedenstein in Gotha ebenfalls zu sehen. Mit 23 Cranach-Gemälden und dem nahezu gesamten druckgrafischen Werk besitzt die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha heute den größten Bestand an Cranach-Werken in Thüringen und eine der größten Sammlungen weltweit. Sehr zu empfehlen ist auch das wunderbar gestaltete und hervorragend geschriebene Begleitbuch zur Gothaer Ausstellung mit dem Titel „Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation“, das vom Museum herausgegeben wurde und 24,95 Euro kostet (das Paket zusammen mit dem Magazin „Lucas Cranach – Hofmaler und Medienstratege“ kostet 30 Euro).

Die meisten der Werke in Gotha kamen bereits 1640 mit Gründung des Herzogtums Sachsen-Gotha nach Friedenstein und schon im 17. Jahrhundert wurden sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Baubeginn der Residenz der Gothaer Herzöge liegt mit 1643 noch im 30-jährigen Krieg. In zwölf Jahren wurde eine monumentale Anlage errichtet, die noch heute das größte frühbarocke Schlossensemble Deutschlands darstellt. Im Schloss sind die originalen historischen Räume zu besichtigen, zu denen auch das hölzerne barocke Theater Ekhof gehört, in dem es im Sommer regelmäßig Aufführungen gibt. Die Kunstkammer enhält Schätze aus Gold, Silber, Edelsteinen und Elfenbein. Südlich schließt sich ein englischer Landschaftsgarten mit Orangerie an die Gebäude an – übrigens der erste englische Garten Deutschlands!

Schloss Friedenstein - S++dseite - Stiftung Schloss Friedenstein Gotha - Lutz Ebhardt

Schloss Friedenstein in Gotha

Nach der aufwendigen Renovierung des Museums in den vergangenen Jahren sind die Bilder nun in einer prächtigen Umgebung und hervorragend dokumentiert zu bewundern. Dazu kann man sich auch noch die große Sammlung an altem Porzellan, asiatischer und ägyptischer Kunst, Skulpturen des großen französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon sowie Bilder von Dürer, Rubens oder C.D. Friedrich ansehen.

Herzogliches Museum Gotha - Nordseite - Stiftung Schloss Friedenstein Gotha - Lutz Ebhardt 2014 (2)

Herzogliches Museum Gotha

Die Ausstellung „Cranach in Weimar“ im Schillermuseum ist noch bis 14. Juni zu sehen – daneben gibt es in Weimar aber natürlich auch den berühmten Cranach-Altar in der Herderkirche zu bestaunen. Infos unter: www.weimar.de/tourismus/kultur-freizeit/themenjahre/cranach-in-weimar-2015/

Die Ausstellung Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation“ im Herzoglichen Museum von Schloss Friedenstein in Gotha ist noch bis zum 19. Juli zu sehen. Infos unter: www.stiftungfriedenstein.de/ausstellungen-und-veranstaltungen/cranach-2015

Die Ausstellung „Die Luther-Porträts der Cranach-Werkstatt“ auf der Wartburg in Eisenach ist ebenfalls bis 19. Juli zu besichtigen. Infos unter: www.cranach2015.de/de/thueringen/wartburg-eisenach/wartburg-in-eisenach

Infos zu Cranach: www.cranach2015.de

Weimar-Tourismus bietet eine dreitägige Cranach-Reise mit zwei ÜN in einem 3-Sterne-Hotel in Weimar und Abstechern nach Gotha und Eisenach im DZ für 285 Euro an. Infos unter +49 (0) 36437450

Infos zu Thüringen: www.thueringen-entdecken.de

Online-Reisejournal 2015