Erholung und Kultur bei Bologna

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Das Varignana Resort in der Nähe von Bologna bietet nicht nur abwechslungsreiche Erholung – seit diesem Jahr gibt es dort auch ein Musikfestival

Bologna, soll der von dort stammende „Cantautore“ Lucio Dalla gesagt haben, sei so klein, dass man dort sein Kind ruhig unbeaufsichtigt herumlaufen lassen könne. Das spricht durchaus für die Lebensqualität der italienischen Universitätsstadt. Trotz des reichen kulturellen Erbes, das – natürlich – in die Römerzeit zurückreicht, im Stadtbild aber auf dem Mittelalter aufbaut, ist Bologna nicht zu einem Touristenzentrum geworden wie Venedig, Florenz oder Rom. Es hat sich, auch anders als Neapel oder Genua, einen soliden Ruf bewahren können und punktet bei aller Geschäftigkeit mit mehr Charme als Mailand.

Bologna, da gibt es keinen Zweifel, gehört zu den Städten in Italien, die auf die Besuchsliste gehören. Innerhalb des Rings der historischen Stadtmauern hat sich eine fast ideale italienische Stadt aus Mittelalter und Renaissance erhalten, die wegen des begrenzten Platzes ebenso organisch wie gezielt gewachsen ist. Die heutige Einwohnerzahl von 500.000 konnte Bologna natürlich nur durch üppiges Wuchern in die Umgebung erreichen. Innen aber hatten sich die Bewohner über die Jahrhunderte einiges einfallen lassen, um aus dem vorhandenen Platz das meiste heraus zu holen.

Bologna ist bekannt als die Stadt der Arkaden. Dieses Netz von 40 Kilometern überdachter Bürgersteige verdankt die Stadt den Studenten und ihrem Raumbedarf. Dadurch, dass man die Bürgersteige überbaute, konnten die Häuser verbreitert und mehr Zimmer eingebaut werden. Heute genießen es die Bologneser und ihre Besucher, wenn sie an den nicht wenigen heißen Tage unter den schattigen Arkaden ihren Geschäften nachgehen, bummeln, shoppen oder eine der lokalen Köstlichkeiten verzehren können.

Ebenfalls dem eingeschränkten Platz verdankt die Stadt eine andere bauliche Eigenheit: die Geschlechtertürme, von denen es heute noch etwa einhundert gibt. Am prominentesten ragen die „schiefen Türme“ hervor, ein Zwillingspaar, einer knapp einhundert, der andere rund 40 Meter hoch. Sie stammen aus dem 12. Jahrhundert und markieren den Rand des heutigen Stadtzentrums, welches die Piazza Maggiore bildet. Egal, aus welcher Epoche die Architektur stammt: Die meisten Gebäude wurden aus sorgsam gefügten Ziegeln erbaut, die deshalb unverputzt bleiben konnten, weshalb die Stadt auch den Titel „die rote Stadt“ trägt. Was auch, das rührt von ihrem Erfolg als Industriestandort her, für ihre politische Haltung zutrifft.

Das Musikfestival im Erholungs-Resort

Gegenüber ihrem Ansehen als Kultur-, Universitäts- und Industriestadt steht der Ruf Bolognas als Musikstadt deutlich zurück. Während Venedig, Neapel, Florenz oder Rom – und sogar das nicht weit entfernte Mantua – Bedeutung und Ruhm der italienischen Musik etablierten, hat sich das bildungsorientierte Bologna auf diesem Gebiet eher zurückgehalten. Bis heute tut sich Bologna nicht auffallend als Musikstadt hervor; während man für Bürger und Besucher von Ende Juni bis Mitte August auf der Piazza Maggiore auf einer Riesenleinwand ein Gratis-Filmfestival anbietet, gibt es in der Stadt keine Konzertreihe oder gar ein Festival, das für Besucher eine Attraktion sein könnte.

In diese Bresche sprangen dieses Jahr erstmals die Betreiber des Varignana Resorts in der Umgebung von Bologna. Auf einem großzügigen Anwesen auf einem Hügel bei der Ortschaft Varignana, etwa 25 Kilometer südöstlich von Bologna, wurde das Resort&Spa Palazzo di Varignana im vergangenen Oktober eröffnet – übrigens das erste seiner Art in der Gegend. Dort fand nun zum ersten Mal das „Varignana Music Festival“ statt. Tatsächlich sind Festivals in Italien eher privaten Initiativen zu verdanken, womit sich Varignana in eine lange und in Italien sehr fruchtbare Tradition reiht.

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Publikumsveranstaltungen wurden von vornherein mit eingeplant bei der Anlage des Resorts auf dem 20 Hektar großen Park-Gelände, das mit Rasen, Bäumen und Bächen eine schlossartige Villa aus dem Jahr 1705 umgibt. Der Besitzer und Bauherr ließ nicht nur eine 4-Sterne-Hotelanlage mit 90 Zimmern in fünf Gebäuden und Kongresszentrum für bis zu 260 Teilnehmer auf und in den Berg bauen, er sorgte auch für ein multifunktionales Veranstaltungszentrum daneben, den „Spazio Belvedere“. Dort können – bei schönster Aussicht in die Parklandschaft – Bankette, Hochzeiten oder eben Konzerte mit bis zu 300 Besuchern stattfinden.

Kammermusik in italienischer Ideallandschaft

Das Programm des ersten Festival-Jahrgangs in Varignana wurde vom Konzertveranstalter „Musica insieme“ zusammengestellt. Vom 14. Bis 19. Juli gab es im Spazio Belvedere sechs Konzerte mit Kammermusik, mit dem Cellisten Mischa Maisky, seiner Tochter Lily Maisky am Klavier, dem aus der Ukraine stammenden, nun in Italien lebenden Pianisten Alexander Romanovsky, dem Klarinettisten Anton Dressler und dem Janácek-Quartett. Die Zuhörer erwartete an fünf Abenden und einem Konzert zu Mittag ein Programm von Bach-Suiten für Cello bis zum Streichquartett „Intime Briefe“ von Janácek und der ersten Klaviersonate von Rachmaninow.
Dass ein solches Angebot in dieser Jahreszeit in Bologna auf Interesse stößt, dafür sprachen die voll besetzten Parkplätze und das Defilée gut gekleideter Damen und Herren. Im Saal waren nur wenige Plätze leer. Und dies an einem Ort, der doch in einiger Entfernung zur Stadt liegt.

„Geld haben wir damit nicht verdient“, sagt Katrin Waidacher von der Abteilung Verkauf und Marketing des Varignana Resort zum finanziellen Erfolg des Festivals, „aber immerhin eine schwarze Null geschrieben.“ Das Konzept war in diesem Sinne umsichtig kalkuliert. Man setzte auf bekannte Namen, aber nicht nur. Die Preise blieben moderat und daher attraktiv: für 50 Euro gab es den Eintritt zum Konzert inklusive eines anschließenden Abendessens mit den Künstlern. Drei Konzerte mit Essen gab es für 130 Euro und alle sechs Konzerte waren für 200 Euro zu abonnieren. Ähnlich attraktiv die Angebote für Hotelgäste. Für 270 Euro konnten zwei Personen im Standardzimmer übernachten, ein Konzert besuchen, am Essen teilnehmen und am folgenden Tag, dank späten Check-outs, die Wellness-Einrichtungen benutzen. Für zwei Nächte und zwei Konzerte waren 496 Euro fällig.

Junge Talente und bewährte Namen

Es ist schon längst kein Geheimnis mehr, dass künstlerische Spitzenleistungen nicht zwingend mit den berühmten Namen zusammenhängen. Mit dem jungen Pianisten Alexander Romanowsky hatte das Festival einen Musiker zu bieten, der die Bezeichnung „Virtuose“ ohne Allüren trägt. Sein Zugriff auf Musik von Chopin, Tschaikowsky und Rachmaninow war ebenso energisch wie elegant, seine Haltung ebenso souverän wie sensibel. Man spürte in jedem Ton seines Spiels eine jugendliche Frische, die Freude an der Entdeckung der Musik und am silbrig-spritzigen Klang des Steinway-Flügels. Still betrat er den Raum, still verließ er ihn, gab ohne weiteres Zögern drei Zugaben und genoss sichtlich den herzlichen Applaus seiner Zuhörer. Eine künstlerisch wie menschlich überzeugende Leistung an einem warmen Sommerabend inmitten einer italienischen Ideallandschaft.

Eingang Spazio 2

Den letzten Tag des Festivals gestaltete das in Brünn beheimatete Janácek-Quartett, zusammen mit dem Klarinettisten Anton Dressler. Das 1947 gegründete Ensemble spielt natürlich längst nicht mehr in der Originalbesetzung, aber man hört ihm an, dass es stilistisch zur „Old School“ gehört, in der es in erster Linie um das Pflegen eines möglichst schön gespielten, kontinuierlich gehaltenen Ton ging. Zur Zeit der größten Mittagshitze gab man im angenehm gekühlten Belvedere-Spazio Janáceks zweites Streichquartett „Intime Briefe“ und danach Mozarts Klarinettenquintett.
Die Umgebung des Parks des Varignana Resorts konnte ihren ganzen Charme ausspielen: Von draußen leuchteten durch die Panoramafenster verschiedenste Schattierungen von Grün und die Umrisse der Villa herein, drinnen leuchtete die Musik genialer Komponisten. Es mussten solche Momente gewesen sein, an die nicht wenige Komponisten bei ihrer Arbeit dachten.

Auf die Pause wird bei diesen Konzerten verzichtet. Die Geselligkeit findet beim anschließenden Essen im Saal nebenan statt. Großzügig werden die Spezialitäten der regionalen Küche aufgetragen, was den Besuchern reichlich Zeit gibt, sich über die Eindrücke des Konzerts auszutauschen. Wenn man möchte, gleich mit den Künstlern – die sich in dieser entspannten Umgebung gar nicht schüchtern zeigen, ihrem Publikum auch im Gespräch näher zu kommen.

Man darf den Veranstaltern gratulieren, dass ihr Konzept zu ihrer Zufriedenheit aufgegangen ist. So, wie die Anlage des Varignana-Resorts zwar aufwändig, aber auch mit Vernunft geplant wurde, hat man auch für das Festival Vernunft walten lassen. Die Musik ist präsent, ohne zum Zentrum zu werden. Vielmehr spielt sie eine entscheidende Rolle als Baustein eines wohlbalancierten Kulturerlebnisses, das alle Sinne anspricht.
Man fühlte sich immer wieder an die Eszterházis und ihren Hofkomponisten Joseph Haydn erinnert. Der schuf in Eisenstadt seine unvergleichlichen Kunstwerke letztlich zur Abrundung einer hochverfeinerten Lebenskultur. Leider steht der Termin für das nächste Festival in Varignana noch nicht fest.

Entspannung, Ausflüge und Pasta

Die richtige „Dosis“ Varignana ist ein Aufenthalt von fünf Tagen. Das gibt Zeit genug, zur Ruhe zu kommen und die Verwöhn-Angebote des Hauses zu nutzen: die 1800 qm des Indoor-Spas mit Saunen, Türkischem Bad und Pool sowie umfangreicher Auswahl an Behandlungen, den Fitnesssaal mit Panoramablick und Geräten von Technogym, das Restaurant mit wunderbaren Plätzen auf der Terrasse vor dem Außenpool. Dann lockt die Umgebung: Vom Resort aus sind schnell Ausflüge in die umliegenden Hügel gemacht, man kann wandern oder Mountainbike fahren.

In Bologna warten nicht nur die Stadt, sondern auch Attraktionen drumherum, wie Museen von Ferrari und Lamborghini oder Ausflüge nach Mantua, Ferrara oder Ravenna. Eine gute Idee ist es, wenn man nicht mit dem Auto anreist, sich am Flughafen oder Bahnhof einen Mietwagen zu nehmen. Denn seine Lage abseits von Lärm und Stress verdankt Varignana auch seiner Abgeschiedenheit vom öffentlichen Verkehr.

Wer noch ein paar Geheimnisse der italienischen Lebensart kennenlernen möchte, der sollte seinen Aufenthalt auf jeden Fall mit einem Pasta-Kurs im Kochstudio „Il Salotto di Penelope“ abrunden. Die Damen Barbara und Valeria zeigen ihren Schülern in ihrer Profiküche in der Innenstadt Bolognas in vier unterhaltsamen Stunden, wie man den Nudelteig richtig zubereitet, ihn kunstgerecht zu Tortellini faltet und was zu richtig flaumigen Gnocchi dazugehört. Man erfährt, warum es keine „Spaghetti Bolognese“ gibt und was den Trick bei einer italienischen Nudelsoße ausmacht. Alle kneten, alle formen, alle kochen. Und am Ende verspeisen alle ihr köstliches selbstgemachtes Essen wie in einer großen italienischen „famiglia“.

Deluxe Room

Für den Aufenthalt in Varignana kann man aus vier Zimmerkategorien wählen, Standard, Superior, Deluxe und Junior Suite. Als Besonderheit gibt es „Vital-Suiten“, zu denen ein Raum mit Ruheliegen und Whirl-Pool gehört. Die Preise liegen zwischen 145 und 300 Euro pro Nacht für das Zimmer, inklusive Frühstück und Benutzung des Spa-Bereichs. Für welche Kategorie man sich auch entscheidet: alle Zimmer garantieren höchste Entspannung, sind sie doch eingebettet in eine nur vom Zirpen der Insekten und vom Säuseln des Windes unterbrochene vollkommene Ruhe.

Von Laszlo Molnar

Information und Buchung unter www.palazzodivarignana.it  sowie www.varignanamusicfestival.it

Online-Reisejournal 2014