Alphornwettbewerb

Alphornwettbewerb

Beim größten Alphornwettbewerb der Schweiz treffen sich jedes Jahr in Nendaz auf 1400 Metern Höhe Solisten und Ensembles, um sich miteinander zu messen – und das Cor des Alpes zu feiern.

Das Alphorn gehört zur Schweiz wie der Käse, das Taschenmesser, die Schokolade und die Uhren. Es ist ein Nationalsymbol, das entsprechend gehegt und gepflegt wird. Etwa 4000 aktive Alphornbläser gibt es in der Schweiz – Tendenz steigend, wie es heißt. Lange sei das Instrument eher etwas für ältere Menschen gewesen, erzählt der Jury-Vorsitzende des Alphornwettbewerbs in Nendaz Hans Baumann. „Oft hat man dem Vater, der in Pension ging, ein Alphorn geschenkt, heute wollen es dagegen auch viele junge Menschen lernen.“ Allzu schwer ist es nicht, aus dem ca. drei Meter langen Rohr einen Ton herauszubekommen. Aber um das Instrument richtig gut zu beherrschen brauche es schon ein, zwei Jahre, je nach Vorbildung, erklärt Baumann.

Wer glaubt, dass er gut genug spielt, kann am Wettbewerb in Nendaz teilnehmen. Eine Vorauswahl gibt es nicht. Wer sich die Teilnahme noch nicht zutraut oder wer gar erst mit dem Alphorn beginnen möchte, der kann auch nach Nendaz kommen. Das den Wettbewerb begleitende Kursangebot ist vielfältig.

Der jüngste der rund 100 Teilnehmer des Wettbewerbs in Nendaz ist elf Jahre alt, Felix Boschung ist mit 85 Jahren der älteste Spieler. Er stammt aus Fribourg in der Schweiz und war bisher bei jedem Wettbewerb in Nendaz mit dabei. Preise hat er auch schon einige gewonnen. Die Faszination des Alphorns besteht für ihn in seinem „runden, warmen Klang“. Schön sei auch, dass man es solo aber auch in unterschiedlichen Besetzungen bis zu zehn Hörnern oder gar mehr spielen kann.

Das Alphorn wird komplett aus Holz gefertigt. In der Regel verwendet man dafür das Holz der Rottanne. Das ca. drei Meter lange Instrument besteht aus drei zusammengesteckten Teilen. Zum Transport kann man diese auch wieder auseinander nehmen. Etwa 80 Stunden Handarbeit stecken in einem Alphorn bis hin zur Ummantelung mit Peddigrohr zum Schutz. Meist werden am Schalltrichter noch Verzierungen angebracht.

In der Schweiz wurde das Alphorn erstmals 1555 von dem Züricher Naturforscher Conrad Gessner erwähnt. Er beschreibt das „litum alpinum“ als ein elf Fuss langes, aus zwei ausgehöhlten und gebogenen Holzstücken geformtes Instrument, das in der Zentralschweiz verwendet wird, um das Vieh zusammenzutreiben und um sich von einem Tal zum anderen mit speziellen Tonfolgen und Motiven zu verständigen. In den Bergen kann sein Klang, je nach Wind, bis zu 10 Kilometer weit tragen.

Bereits 1805 fand der erste Wettbewerb im Alphornspiel in der Schweiz statt. Das Instrument der Berge war zu einer Art Nationalinstrument geworden – und das ist es bis heute geblieben, auch wenn das Alphorn freilich auch in Österreich und Deutschland gespielt wird.
Die meisten Teilnehmer des Wettbewerbs in Nendaz stammen – wen wundert’s – aus der Schweiz, gefolgt von Frankreich. Während im vergangenen Jahr sogar Spieler aus den USA nach Nendaz kamen, ist im Jubiläumsjahr das exotischste Teilnehmerland Belgien.

Zwei Hauptkategorien gibt es: Solo und Formation, wobei Formation vom Duo bis zum Tentett oder darüber hinaus reichen kann. Vorgaben gibt es keine, und auch die Wahl der Stücke ist frei, d.h. jeder kann spielen, was er will. Dann gibt es noch eine Jugendkategorie, und es wird unterschieden zwischen erprobten Wettbewerbsteilnehmer und Neulingen, damit nicht immer dieselben gewinnen.

Seit fünf Jahren ist Hans Baumann Jury-Präsident des Wettbewerbs. Davor hat er als Teilnehmer mehrfach in Nendaz gewonnen. „Irgendwann hatte ich so viele Preise, dass man mich gebeten hat in die Jury zu wechseln.“ Bewertet werden die Tonkultur, die Blastechnik, die Interpretation und der musikalische Gesamteindruck, wie Baumann erläutert.
Natürlich findet der Alphorn-Wettbewerb von Nendaz im Freien statt, wie es sich für dieses Instrument gehört. Zur ersten Runde trifft man sich auf einer Wiese auf 1400 Metern Höhe mit Panoramablick auf die umliegenden Gipfel des Wallis. Zum Finale geht es dann auf den 2200 Meter hohen Tracouet. Normalerweise. In diesem Jahr jedoch machte ein Kälteeinbruch mit Schneefall bis auf 2000 Meter den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Die Schlussrunde musste in einem Festzelt in Nendaz stattfinden.

Ein wahrer Preisregen ergoss sich am Ende über die Gewinner, Belohnung und Ansporn gleichermaßen. Und zum krönenden Abschluss spielten dann alle Alphornisten im Freien zusammen mehrere Stücke. In einem riesigen Halbkreis aufgestellt, erscholl der Klang ihrer Instrumente weit über die Anhöhe, auf der Nendaz liegt, hinaus. Ein erhabener und erhebender Eindruck.
Jetzt ist auch klar, was Luis Trenker meinte, als er die Berge rufen hörte…

Von Robert Jungwirth

Weitere Informationen zum Alphornfestival und zu Schweizreisen unter:

www.MySwitzerland.com
www.swisstravelsystem.ch
www.nendaz.ch

Online-Reisejournal 2014